Tankterminals spielen in der Energie-, Chemie- und Logistikbranche eine entscheidende Rolle. Sie sind längst nicht mehr nur Lagerstätten für flüssige Produkte, sondern entwickeln sich durch die Digitalisierung zu Zentren für operative Exzellenz, Nachhaltigkeit und strategische Entscheidungen. Das von Siemens entwickelte Next-TMS (Terminal Management System) nimmt bei dieser Transformation eine Vorreiterrolle ein. 

Warum ist Digitalisierung notwendig?

Das traditionelle Tankterminalmanagement kann aufgrund manueller Abläufe, isolierter Datenbestände und eingeschränkter Transparenz ineffizient sein. Bei herkömmlichen Methoden ergeben sich im Betrieb insbesondere folgende Herausforderungen:

  • Datensilos:  Auftrags-, Fahrzeug-, Infrastruktur- und regulatorische Daten werden in unterschiedlichen Systemen gespeichert. Dies erhöht den manuellen Bearbeitungsaufwand und verringert die Transparenz.
  • Komplexe Planung:  Bei Fahrzeugverspätungen, Anlagenausfällen oder Änderungen der Produktmengen ist eine schnelle Anpassung schwierig.
  • Compliance und Rückverfolgbarkeit:  Manuelle Kontrollen und der ständige abteilungsübergreifende Kommunikationsbedarf schaffen eine Struktur, die anfällig für menschliche Fehler ist.
  • Anpassung an die Energiewende:  Die Lagerung neuer Produkte wie Biokraftstoffe und erneuerbarer Rohstoffe erfordert eine strengere Rückverfolgbarkeit.

Die digitale Transformation beseitigt diese Hindernisse und bietet folgende Vorteile:

  • Sie erhöht die Transparenz der Betriebsabläufe.
  • Sie reduziert menschliche Fehler.
  • Sie automatisiert Compliance-Prozesse.
  • Sie ermöglicht Entscheidungen in Echtzeit.

Globalen Analysen zufolge können Terminals, die digitale Technologien integrieren, ihre Lagerumschlagshäufigkeit und ihre Erlösausschöpfungsquote um bis zu 20 % steigern.

Siemens Next-TMS: Durchgängiges digitales Management

Die Next-TMS-Lösung von Siemens bietet eine modulare Plattform, die gemäß dem Standard ISA-95 entwickelt wurde. Das System integriert sämtliche Ebenen vom ERP bis zu den Feldgeräten und steuert die Betriebsabläufe durchgängig.

Was ist der Standard ISA-95?(1)

ISA-95 ist ein internationaler Standard für die Integration von Produktions- und Unternehmenssystemen. Er definiert eine Architektur mit fünf Ebenen:
Auf Grundlage dieser Struktur integriert Next-TMS sämtliche betrieblichen Prozesse.

Die wichtigsten Funktionen von Next-TMS

1. Echtzeitüberwachung und Transparenz

  • Lkw-, Container-, Tank- und Materialbewegungen lassen sich in Echtzeit verfolgen.
  • Betriebsdaten werden auf einer zentralen Plattform zusammengeführt.

2. Automatisiertes Aufgabenmanagement

  • Aufgaben wie Be- und Entladung sowie Qualitätskontrolle werden automatisiert.
  • Der Bedarf an manuellen Eingriffen sinkt und die Fehlerquote wird reduziert.

3. Bestands- und Tankmanagement

  • Tankfüllstände, Temperaturen und Produktmengen werden digital überwacht.
  • Reservierungen und Qualitätsprüfungen werden integriert abgewickelt.

4. Compliance und Sicherheit

  • Die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wird automatisch überwacht.
  • Alarmmeldungen werden in die Automatisierungsstruktur integriert.
  • Sicherheitssysteme wie RFID und Zutrittskontrolle arbeiten integriert zusammen.

5. Technische Infrastruktur

  • Mendix (Low-Code-Entwicklung):  Schnelle, plattformübergreifende Anwendungsentwicklung für Geschäftsprozesse.
  • Opcenter Execution Process (MOM/MES):  Durchgängiges Management des gesamten Terminalprozesses.
  • Opcenter Advanced Planning & Scheduling:  Szenariobasierte Optimierung der Fahrzeug- und Schiffsplanung.
  • Opcenter Intelligence:  Analyse aktueller und historischer Betriebsdaten.
  • Opcenter Connect MOM:  Integration mit Siemens- und Drittsystemen, hohe Verfügbarkeit und Lastverteilung.

Das Terminalmanagementsystem (TMS) verwaltet sämtliche Schritte: vom Materialeingang der Lieferanten und der Lagerung im Tanklager über die Materialverarbeitung (Chargenverarbeitung und Mischen) und das Materialausgangsmanagement (Beladung von Schiffen und Lkw, Fassabfüllung) bis hin zum Versand.

Das gemäß ISA-95 entwickelte Terminalmanagementsystem erhöht die Verladeeffizienz, vereinfacht Wartung und Systemerweiterungen und verbessert Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Betriebskontinuität.

TMS wurde entwickelt, um die Betriebsabläufe von Flüssiggut-Tankterminals zu optimieren und zu automatisieren. Es ermöglicht die Echtzeitüberwachung, Steuerung und Verwaltung der Produktlagerung und des Materialflusses in den verschiedenen Tanks des Terminals.

Das System integriert sich nahtlos in die bestehende ERP- und Automatisierungsplattform und ermöglicht eine umfassende Überwachung der Bestände, der Produktqualität und der Tankauslastung.

Digitalisierungsbeispiele aus der Praxis

OKQ8 – Schweden

OKQ8, einer der größten Kraftstoffanbieter Schwedens, hat sieben Terminals mit Siemens Next-TMS digitalisiert. Durch das System:

  • wurde der gesamte Prozess vom Eingang des Kraftstoffs im Lager bis zur Abgabe an der Zapfsäule rückverfolgbar.
  • wurden Rezepturverwaltung, Versandplanung und Rechnungsstellung auf einer einzigen Plattform zusammengeführt.

Infraserv Logistics – Deutschland

Infraserv, ein Dienstleister für die Chemie- und Pharmabranche, hat mit Siemens TMS:

  • das Gefahrstoffmanagement digitalisiert.
  • 42 Tanks und 180.000 Palettenstellplätze mit einem einzigen System verwaltet.

Fazit: Wettbewerbsvorteile und Zukunftsinvestitionen durch Digitalisierung

Siemens Next-TMS ist nicht nur eine Software, sondern ein Werkzeug für die digitale Transformation, das operative Exzellenz, Nachhaltigkeit und strategische Entscheidungsprozesse unterstützt.

Die Zukunft des Tankterminalbetriebs wird auf  Echtzeit-Datenmanagement, vollständiger Integration und einem hohen Automatisierungsgrad  aufbauen. Für Unternehmen, die diese Vision verwirklichen möchten, ist Siemens Next-TMS eine  strategische Investition .