Ein Sammelschienensystem in der elektrischen Energieverteilung besteht nicht nur aus Kupferleitern, die Energie von einem Punkt zum anderen übertragen. Strombelastbarkeit, Erwärmung, Kurzschlussfestigkeit, Verbindungssicherheit, Berührungsschutz, Montagegeschwindigkeit und Wartungszugänglichkeit bestimmen gemeinsam die Leistungsfähigkeit des Systems. Das Portfolio von Tempa Pano für Sammelschienen und Sammelschienenverteilung deckt unterschiedliche Ebenen ab: von Hauptverteilungsanwendungen mit hohen Strömen über kompakte modulare Verteilerblöcke bis hin zu vorgefertigten Unterputz- oder Aufputzverteilern.
In diesem Leitfaden betrachten wir anhand der Katalogstruktur, welchen Bedarf die Produktfamilien K-BAR, EASYBAR, TEMBAR, TM, TT-TM, TT-TTS und TDK abdecken. Die technischen Werte sind nicht für alle Produktfamilien gleich. Die Tabellen bieten daher einen Ausgangspunkt für den Vergleich; die endgültige Auswahl erfolgt anhand des einpoligen Schaltplans, der Kurzschlussberechnung, des Lastprofils, des Schutzgeräts und der aktuellen Herstellerunterlagen. Die Aufgabe von Oskon besteht darin, diese Komponenten durch projektbezogene Berechnungen, Schaltschrankplanung, Schutzkoordination und Inbetriebnahme vor Ort zu einem funktionsfähigen Verteilersystem zusammenzuführen.
Das Portfolio nach Stromstufe und Anwendung einordnen
Die offiziellen Produktseiten von Tempa unterteilen die Sammelschienenlösungen nach unterschiedlichen Anwendungsgrößen. K-BAR konzentriert sich auf den Bedarf an hohen Strömen und einer robusten mechanischen Konstruktion in Hauptverteilern. Die EASYBAR-Familie bietet mit den Varianten 630 A, 1250 A und 1600 A ein modulares Anschlusskonzept ohne Bohren. Die Familien TM, TT-TM und TT-TTS bilden kompaktere, vollständig isolierte Verteilungspunkte. TDK-Verteiler integrieren das Sammelschienensystem zusammen mit Gehäuse, Erdung und Neutralleiteranordnung in einen vorgefertigten Verteileraufbau.
Diese Gruppen sind nicht einfach größere oder kleinere Ausführungen voneinander. Verbindungstechnik, Polanordnung, Schutzkonzept und vorgesehene Schaltschrankarchitektur unterscheiden sich. Bei der Auswahl der Haupteinspeisesammelschiene werden nicht nur der aktuelle Strombedarf, sondern auch Gleichzeitigkeit und Erweiterungsreserve berücksichtigt. Bei der Unterverteilung stehen dagegen die Anzahl der Abgänge, die Abmessungen der Schutzgeräte, die Kabelführung und die Wartung vor Ort im Vordergrund. In vielen Projekten entsteht die am besten geeignete Struktur durch den Einsatz verschiedener Produktfamilien auf den jeweils passenden Verteilungsebenen innerhalb desselben einpoligen Schaltplans.
K-BAR: bohrungsfreies Anschlusskonzept für hohe Ströme
K-BAR wird auf der offiziellen Tempa-Seite als Sammelschienensystem für Anwendungen bis 4000 A beschrieben. Es stehen drei unterschiedliche Querschnittsvarianten zur Verfügung. Der Anschluss ohne Bohrungen in der Sammelschiene soll die Anordnung der Abgangspunkte im Projekt, die Montage und spätere kontrollierte Änderungen erleichtern. Eine große Kühlfläche unterstützt das Temperaturmanagement; die Profilgeometrie trägt zur mechanischen Festigkeit und zur Stabilität der Verbindungen bei.
Der Hersteller gibt an, dass die Prüfungen der Erwärmung und Kurzschlussfestigkeit für K-BAR nach IEC 61439-2 durchgeführt wurden. Diese Angabe bedeutet nicht, dass jede Schaltschrankkonstruktion automatisch den Anforderungen entspricht. Sammelschienenlänge, Stützabstand, Belüftung im Schaltschrank, Verbindungsstellen, Umgebungstemperatur und Schutzanordnung sind projektspezifisch. Bei der Kurzschlussberechnung müssen der zu erwartende Stoßkurzschlussstrom und die Kurzzeitstromfestigkeit zusammen mit der Position der mechanischen Träger überprüft werden.
EASYBAR: modulare Verteilung mit drei Stromstufen
Die EASYBAR-Familie ist auf der offiziellen Seite mit den Varianten 630 A, 1250 A und 1600 A aufgeführt. Das System verwendet spezielle Verbindungselemente, die zusammen mit einer doppelten Sammelschienennut und isolierenden Trägern das Bohren überflüssig machen. Dieser Ansatz bietet Vorteile für eine reproduzierbare Montage in standardisierten Schaltschrankmodulen. Anzugsmoment der Verbindungselemente, Kontaktfläche, Anschlussgeometrie des verwendeten Schutzgeräts und Montageanleitung des Herstellers müssen jedoch vollständig berücksichtigt und eingehalten werden.
Bohrungsfreie Verbindungen bieten Flexibilität, erlauben aber keine unkontrollierten Änderungen. Beim Hinzufügen eines neuen Abgangs werden Last, Gleichzeitigkeit, Sammelschienenkapazität und Kurzschlussbedingungen erneut bewertet. Phasenfolge, Neutralleiter und Schutzleiter müssen eindeutig gekennzeichnet sein; Abdeckungen und transparente Schutzvorrichtungen müssen den Berührungsschutz gewährleisten. Sind regelmäßige Kontrollen mit einer Wärmebildkamera vorgesehen, sollte der sichere Zugang zu den Messpunkten bereits in der Projektplanung berücksichtigt werden.
TM, TT-TM und TT-TTS: vollständig isolierte kompakte Verteilung
Die TM-Familie wird in den offiziellen Produktinformationen mit 100 A und 250 A, 415 VAC aufgeführt. Die einteilige Kupferkonstruktion bildet mit Farbcodierungen und Schutzabdeckungen einen kompakten Verteilungspunkt. Der Hersteller gibt einen bedingten Kurzschlussstrom von 30 kA an. Der Begriff „bedingt“ ist ein entscheidendes Detail: Die angegebene Leistungsfähigkeit muss im Zusammenhang mit einem geeigneten vorgeschalteten Schutzgerät und den vom Hersteller definierten Prüfbedingungen betrachtet werden. Die Kurzschlusseignung darf nicht allein anhand des Stromwerts auf dem Typenschild der Sammelschiene angenommen werden.
Die TT-TM-Familie wird für Anwendungen mit 400 A und 800 A, 415 VAC angeboten, TT-TTS hingegen für Anwendungen mit 250 A, 415 VAC. Die Tempa-Seite nennt für TT-TM je nach Variante 50 kA oder 70 kA und für TT-TTS 30 kA als bedingte Kurzschlussstromwerte für eine Sekunde. Polzahl, Ein- und Abgangsanordnung, Anschlussquerschnitt und Schutzabdeckungen werden entsprechend den Projektanforderungen geprüft. Das vollständig isolierte Gehäuse unterstützt die Sicherheit bei Servicearbeiten; die Regeln für spannungsfreies Arbeiten, Verriegelung und Kennzeichnung sowie geeignete persönliche Schutzausrüstung gelten dennoch weiterhin.
TEMBAR und die Rolle der Produktfamilie im System
TEMBAR ist das modulare Sammelschienenkonzept, das in den Darstellungen der Tempa-Verteilersysteme und in vorgefertigten Verteilerlösungen wie TDK-S eingesetzt wird. Es bietet eine farblich getrennte Anordnung von Phasen und Neutralleiter, Zubehör für den geordneten Anschluss von Schutzgeräten verschiedener Marken sowie einen kompakten Aufbau. Bei der Produktauswahl werden die Position des Hauptschalters, die Anzahl der Abgänge, die Verteilung ein- oder dreiphasiger Lasten und der Neutralleiterstrom gemeinsam berücksichtigt.
In modernen Anlagen können nichtlineare Lasten im Neutralleiter höhere Ströme als erwartet verursachen. Deshalb muss die Annahme einer ausgeglichenen Phasenbelastung durch Messungen oder Lastberechnungen bestätigt werden. Bei Lasten mit hohem Oberschwingungsanteil aus Datenverarbeitung, Beleuchtung oder elektronischen Netzteilen werden Neutralleiterquerschnitt und thermische Auswirkungen gesondert untersucht. Der Einsatz von TEMBAR oder einer anderen Produktfamilie ersetzt diese technische Berechnung nicht, sondern stellt eine Hardwaregrundlage bereit, die einen geordneten Systemaufbau erleichtert.
TDK-Verteiler: Sammelschienen, Gehäuse und Montage kombiniert
Die TDK-Familie integriert die Sammelschienenverteilung als vorgefertigte Anordnung in ein Verteilergehäuse. Auf der Produktseite von TDK-S werden das TEMBAR-System, die Erdungsschiene und die Neutralleiterschiene mit Schutzabdeckung, ein verstellbarer Montageaufbau, Kabeleinführungsplatten, verdeckte Scharniere, ein wechselbarer Türanschlag und die Oberfläche in RAL 7035 aufgeführt. Damit wird die Verteilung nicht nur als ungekapselter Sammelschienensatz, sondern zusammen mit Zugänglichkeit und Kabelführung betrachtet.
Bei der Entscheidung zwischen Unterputz- und Aufputzmontage werden Wandaufbau, Kabeleinführungen, Wartungsfreiraum und architektonischer Abschluss berücksichtigt. Die geöffnete Verteilertür darf den Fluchtweg nicht einengen; Hauptschalter und Kennzeichnungen müssen für das Betriebspersonal sichtbar sein. Kabelreserve, Biegeradius und Brandschutzabschottungen müssen in den Montageumfang vor Ort aufgenommen werden. Die Gehäusegröße des Verteilers wird nicht nur nach der Modulanzahl, sondern auch nach Anschluss- und Wärmebedingungen ausgewählt.
Vergleichstabelle der Produktfamilien
| Familie | Positionierung auf der offiziellen Seite | Wichtiger Auswahlaspekt |
|---|---|---|
| K-BAR | Hochstrom-Sammelschienensystem bis 4000 A mit drei Querschnittsvarianten | Kurzschlussberechnung, Stützabstand, Erwärmung und Aufbau der Hauptverteilung |
| EASYBAR | 630 / 1250 / 1600 A modulare Sammelschiene ohne Bohrungen | Verbindungselement, Anzugsmoment, Gerätegeometrie und Erweiterungsplanung |
| TM | 100 / 250 A, 415 VAC vollständig isolierte Verteilung | Anzahl der Abgänge, Schutzkoordination und Bedingungen des bedingten Kurzschlussstroms |
| TT-TM | 400 / 800 A, 415 VAC vollständig isolierte Verteilung | Variante, Polanordnung, Anschlussquerschnitt und Kurzschlussniveau |
| TT-TTS | 250 A, 415 VAC kompakte Verteilung | Platz im Schaltschrank, Abgangsanordnung und vorgeschalteter Schutz |
| TDK | Vorgefertigte Sammelschienenverteilung im Gehäuse | Montageart, Kabeleinführung, Neutralleiter-/Erdungsanordnung und Zugänglichkeit |
Erforderliche Projektdaten für die richtige Dimensionierung
Die erste Grundlage ist der einpolige Schaltplan. Er stellt die Einspeisequelle, die Transformatorleistung, die Kabelimpedanz, die Schutzgeräte, die Bemessungs- und Betriebsströme der Lasten sowie zukünftige Abgänge dar. Der Gleichzeitigkeitsfaktor wird anhand tatsächlicher Betriebsdaten festgelegt. Anschließend wird der zu erwartende Kurzschlussstrom am Anschlusspunkt des Verteilers berechnet. Die thermische und dynamische Festigkeit der Sammelschienen und Träger wird unter Berücksichtigung der Ausschaltzeit des Schutzgeräts geprüft.
Bedingungen wie Umgebungstemperatur, Belüftung im Schaltschrank, Anreihung und Aufstellungshöhe können die Erwärmung beeinflussen. Auch der Übergangswiderstand der Verbindungen, das korrekte Anzugsmoment und die Vorbereitung der Leiteroberflächen bestimmen die Leistungsfähigkeit. Die Phasenlasten werden ausgeglichen; Neutralleiter, Schutzleiter und Potenzialausgleichsverbindungen werden in den Projektunterlagen dargestellt. Nach Abschluss der Ausführung werden Sichtprüfung, Kontrolle des festen Sitzes sowie Durchgängigkeits-, Isolations- und Funktionsprüfungen dokumentiert.
Wartung, Messung und sichere Eingriffe
Bei Sammelschienenverteilungen beginnt eine Störung häufig mit der Erwärmung einer lockeren oder verschmutzten Verbindung. Die vom Hersteller vorgegebenen Anzugsmomente müssen bei der Fertigung eingehalten und in den Qualitätsaufzeichnungen dokumentiert werden. Je nach Betriebsbedingungen können Wärmebildaufnahmen, Sichtprüfungen und eine Prüfung der Verbindungen bei einem geplanten Stillstand durchgeführt werden. Fehlende oder nach Servicearbeiten falsch montierte Abdeckungen beeinträchtigen den Berührungsschutz.
Beim Hinzufügen eines neuen Abgangs reicht freier Bauraum allein nicht aus. Gesamtlast, Kurzschlussniveau, Schutzselektivität, Phasenausgleich und Sammelschienentemperatur werden erneut geprüft. Die Änderung wird im einpoligen Schaltplan und in der Verteilerkennzeichnung nachgeführt. Dieses Vorgehen ermöglicht es, die Flexibilität des modularen Systems sicher zu nutzen.
Mit Oskon von der Planung bis zur Inbetriebnahme
Oskon untersucht bei der Bestandsaufnahme vor Ort die vorhandene Verteilung und die Erweiterungsziele und überführt Lastliste, Kurzschluss- und Selektivitätsuntersuchungen in die technische Planung. Die Tempa-Sammelschienenfamilie und das Verteilergehäuse werden entsprechend der Stromstufe der Anwendung und den Zugangsbedingungen ausgewählt. Sammelschienenanordnung, Schutzgeräte, Messtechnik, Kabelanschlüsse sowie Neutralleiter- und Erdungssystem werden gemeinsam projektiert. Nach Fertigung und FAT werden die Anschlüsse vor Ort, die Funktionsprüfungen und der Plan zur thermischen Überwachung vervollständigt.
In der Angebotsphase sollten der aktuelle einpolige Schaltplan, Transformator- und Einspeisedaten, die Lastliste, das zu erwartende Kurzschlussniveau, die Kabelquerschnitte der Ein- und Abgänge, der Verteilerstandort, die Umgebungstemperatur und die Erweiterungsplanung bereitgestellt werden. Liegen diese Daten noch nicht vor, können mithilfe der Automatisierungsberatung von Oskon Messungen und Planungsarbeiten durchgeführt werden. So wird die beim Produktcode beginnende Auswahl auf den tatsächlichen Energieverteilungsbedarf des Betriebs abgestimmt.
Offizielle Produktquellen: Dieser Leitfaden wurde auf Grundlage der Tempa Pano-Seiten Sammelschienen und Verteilersysteme, K-BAR, EASYBAR, TM, TT-TM, TT-TTS und TDK erstellt. Verbindliche Werte müssen anhand aktueller technischer Unterlagen und projektbezogener Berechnungen überprüft werden.