Edelstahl- und EMC-Schaltschranklösungen werden zwar unter derselben Produktkategorie behandelt, erfüllen jedoch zwei unterschiedliche konstruktive Anforderungen. Bei der Auswahl eines Edelstahlgehäuses stehen die Eignung des Werkstoffs für die Umgebung, die Oberfläche, die Dichtheit und die Reinigbarkeit im Vordergrund. Bei einem EMC-Schaltschrank sind hingegen die elektrische Durchgängigkeit der Gehäuseverbindungen, eine leitfähige Innenfläche und die Ausführung der elektromagnetischen Dichtung entscheidend. In der offiziellen Portfolioübersicht von Tempa Pano wird die Edelstahl-Schaltschrankfamilie mit den Baureihen SSAS, SSETS, SSJB und SSKPA aufgeführt; die Hygienelösung wird auf einer separaten Produktseite als HS-Serie vorgestellt. Im EMC-Bereich sind die Wandgehäuse ESE und die Standschaltschränke BSE erhältlich; letztere Produktfamilie wird in der Webadresse auch unter der Bezeichnung ASE geführt. Anstatt allen Edelstahlbaureihen einen einheitlichen technischen Wert zuzuordnen, betrachtet dieser Leitfaden SSETS sowie im EMC-Bereich ESE und BSE jeweils separat. Die für ein Projekt erforderliche Legierung, IP-Schutzart und EMC-Ausführung müssen anhand der vorgesehenen Baureihe und der vollständigen Konfiguration überprüft werden.

Aufbau des Edelstahl-Wandgehäuses der Serie SSETS

Auf der offiziellen technischen Produktseite der Tempa-Serie SSETS wird für Gehäuse und Tür Edelstahl 304L gemäß EN 10088 1.4307 angegeben. Gehäuse und Tür haben eine Materialstärke von 1,2 mm. Die optionale Montageplatte besteht aus verzinktem Stahl EN 10346 DX51D+Z; je nach Abmessung beträgt die Materialstärke 1,5 oder 2 mm. Die Außenfläche wird als „Edelstahloberfläche“ bezeichnet. Die Schutzart ist IP66; als Referenzen werden TS 3033 und EN 60529 genannt. Diese technischen Werte gelten ausschließlich für die Serie SSETS. Da Werkstoffqualität, Materialstärke, Türgeometrie oder Schutzart bei einer anderen Edelstahlbaureihe abweichen können, reicht die Bezeichnung „Edelstahlschaltschrank“ allein als Bestellspezifikation nicht aus.

Tempa Pano Wandgehäuse der Serie SSETS aus Edelstahl 304L
Die Serie SSETS umfasst Wandgehäuse mit Gehäuse und Tür aus Edelstahl 304L sowie der Schutzart IP66.

Das SSETS-Gehäuse ist geschweißt und kann mit einer Volltür oder einer Sichttür konfiguriert werden. Die Tür verfügt innen über eine geschäumte Polyurethandichtung, verdeckte Scharniere mit einem Öffnungswinkel von 135 Grad und einen verchromten 5 mm-Doppelbartverschluss. Im unteren Bereich befinden sich eine Kabeleinführungsplatte und eine einteilige PE-Dichtung für diese Platte. Zum Lieferumfang gehören das Gehäuse, die gewählte Tür, die Kabeleinführungsplatte mit Dichtung sowie je nach Abmessung vier oder sechs Wandbefestigungselemente. Da die Montageplatte in der Produktcodierung des technischen Datenblatts als „Option ≈ M“ definiert ist, müssen die Plattenauswahl und die Materialstärke von 1,5–2 mm in der Bestellkonfiguration gesondert angegeben werden. Sonderabmessungen, Vorbearbeitung, Sonderverschlüsse und spezielle Montageplatten sind vom Hersteller auf Anfrage angebotene Optionen. Als ergänzendes Zubehör werden Regendach, Füße, DIN-Schiene, Türinnenprofil, Mastbefestigungselement, Abdeckung für Sicherungsausschnitte, Verschlüsse und Schlüssel sowie Erdungsleiter aufgeführt.

Bedeutung der Baureihenbezeichnung bei der Edelstahlauswahl

Die Bezeichnung 304L ist eine vom Hersteller ausdrücklich für SSETS angegebene Werkstoffinformation; diese Angabe darf nicht automatisch auf das gesamte Edelstahlportfolio von Tempa übertragen werden. Bei der Auswahl eines Edelstahlprodukts muss der Projektverantwortliche die chemische Zusammensetzung der Umgebung, das Reinigungsverfahren, die Temperatur, den Salzgehalt, das Risiko von Ablagerungen auf der Oberfläche und die vorgesehenen Reinigungsmittel definieren. Anschließend erfolgt der Abgleich mit den Angaben zu Legierung und Oberflächenbeschaffenheit im Datenblatt der jeweiligen Baureihe. Auch die Umgebungsverträglichkeit von Kabelverschraubungen, Verschlüssen, Befestigungselementen und anderen Anbauteilen am Schaltschrank ist gesondert zu prüfen. Ein Edelstahlgehäuse bedeutet nicht, dass Zubehör aus anderen Werkstoffen dieselbe Beständigkeit aufweist. Auch die für SSETS angebotenen Optionen wie Mastbefestigung, Regendach oder Sockel müssen entsprechend dem Aufstellungsort und den mechanischen Belastungen in die Bestellung aufgenommen werden.

Ausführungsdetails zur Aufrechterhaltung der Schutzart IP66

Die Schutzart IP66 von SSETS ist zusammen mit dem standardmäßigen Gehäuseaufbau und den vom Hersteller angegebenen Verschlusskomponenten zu bewerten. Die geschäumte Polyurethandichtung an der Tür und die einteilige PE-Dichtung an der Kabeleinführungsplatte sind Bestandteile dieses Gesamtsystems. Die Position vor Ort anzubringender Bohrungen, die Schutzart der verwendeten Kabelverschraubungen, das Anziehen der Kabeleinführungen und das Verschließen ungenutzter Öffnungen beeinflussen die endgültige Ausführung. Auf der Dichtfläche der Tür dürfen keine Späne oder Verformungen verbleiben; der Verschluss muss einen gleichmäßigen Anpressdruck erzeugen und die Anschlussplatte korrekt sitzen. Diese Punkte sind keine Aussagen zu zusätzlichen Produkteigenschaften, sondern bei der Ausführung zu prüfende Aspekte, damit die im Katalog beschriebene IP-Schutzwirkung vor Ort nicht beeinträchtigt wird. Soll die Option einer speziellen Vorbearbeitung genutzt werden, muss der Ausschnittplan daher vor Produktionsbeginn feststehen.

Serie ESE: EMC-Wandgehäuse

Die Tempa-Serie ESE ist für EMC-Anwendungen in Wandmontage ausgelegt. Laut offizieller Produktseite bestehen Gehäuse, Tür und Montageplatte aus verzinktem Stahl EN 10346 DX51D+Z mit einer Materialstärke von 1,5 mm. Die Außenfläche ist mit einer Pulverbeschichtung in RAL 7035w versehen; die Innenfläche bleibt leitfähig. Die Schutzart beträgt IP65; es wird auf die Normen TS 3033 und EN 60529 verwiesen. Die Volltür ist mit einer EMC-Dichtung ausgestattet. Sie wird von verdeckten Scharnieren mit einem Öffnungswinkel von 135 Grad getragen und mit einem 5 mm-Doppelbartverschluss aus Metall geschlossen. Zum Standardlieferumfang gehören Gehäuse, Tür mit EMC-Dichtung, Montageplatte und vier Wandbefestigungselemente. Sonderabmessungen, Sonderfarben, Vorbearbeitung und spezielle Montageplatten sind auf Anfrage erhältlich.

Tempa Pano EMC-Wandgehäuse der Serie ESE
Bei ESE sind die Tür mit EMC-Dichtung und die leitfähige Innenfläche wesentliche Bestandteile der auf elektromagnetische Verträglichkeit ausgelegten mechanischen Konstruktion.

Für ESE werden DIN-Schiene, Türinnen-Montageprofil und Erdungsleiter als ergänzendes Zubehör angeboten. Bei einem Gehäuse für EMC-Anwendungen reicht es nicht aus, nur die äußere Blechstärke zu betrachten. Die vom Hersteller angegebene leitfähige Innenfläche und die EMC-Dichtung wirken zusammen und unterstützen die elektrische Durchgängigkeit zwischen Tür und Gehäuse. Bohrungen, Ausschnitte, Lackierungen, Kabelverschraubungsplatten oder andere Verschlusselemente können diese Konstruktion beeinflussen. Bei der Planung der Vorbearbeitung sind daher sowohl die mechanische Anordnung als auch die elektrische Durchgängigkeit im Hinblick auf EMC zu berücksichtigen; Tür, Gehäuse, Montageplatte und Erdungskonzept müssen als ein System betrachtet werden. Die endgültige EMC-Leistung hängt nicht nur vom Leergehäuse ab, sondern auch von den eingebauten Geräten, der Kontaktierung der Kabelschirme, der Anschlussanordnung und der Montage.

Serie BSE: EMC-Standschaltschranksystem

Wenn eine größere EMC-Lösung erforderlich ist, bietet die Tempa-Serie BSE eine Standschrankausführung. In den offiziellen Produktinformationen werden für Rahmen und Verkleidungsteile 1,5 mm, für Türen und Sockel 2 mm und für die verzinkte Montageplatte 2 mm angegeben. Die Gehäuseteile bestehen aus verzinktem Stahl EN 10346 DX51D+Z. Die Außenfläche ist in RAL 7035w pulverbeschichtet, die Innenfläche ist leitfähig ausgeführt. Die Schutzart beträgt IP55. Umlaufend an Fronttür und Rückwand sowie an Seitenwänden, Dachblech und Sockel befinden sich EMC-Dichtungen. Zu den wichtigsten in den offiziellen Produktinformationen genannten Merkmalen gehören ein Stangenverschluss mit Griff, Vierpunktverriegelung und Schlüssel 333, verdeckte Scharniere sowie die Möglichkeit, mehrere Montageplatten einzusetzen. Da Tempa in der Webadresse die Bezeichnung ASE verwendet, während im Seitentitel, im technischen PDF und in der Hauptproduktliste BSE erscheint, müssen bei der Bestellung die aktuelle Baureihe und der vollständige Produktcode gesondert bestätigt werden.

Die standardmäßigen und optionalen Komponenten von BSE müssen im Projektcode getrennt ausgewiesen werden. Zum Standardlieferumfang gehören Vorder- und Hinterrahmen, Tür, Rückwand, Montageplatte, Sockel, Dachblech, Seitenwände, vier oder sechs Tiefenschienen sowie ein Türinnen-Montageprofil. Sonderabmessungen, Sonderfarben und Vorbearbeitung sind auf Anfrage erhältlich. Zu den ergänzenden Zubehörteilen zählen Transportösen, Regendach, kurze oder geteilte Montageplatten, Gleitschienen und Gleitstücke, Trennprofile, L/U/Z-Profile, L/Z-Verbindungsteile, Sammelschienenträger, Schaltplantasche und Erdungsleiter. Bei einer für EMC vorgesehenen Konfiguration muss jede Verschlussfläche die im Katalog angegebene Anordnung von Dichtungen und leitfähigen Oberflächen beibehalten.

Technisches MerkmalSSETS EdelstahlESE EMC-WandgehäuseBSE EMC-Standschaltschrank
Grundwerkstoff304L, EN 10088 1.4307Verzinkter Stahl, EN 10346 DX51D+ZVerzinkter Stahl, EN 10346 DX51D+Z
OberflächeEdelstahloberflächeAußen RAL 7035w, innen leitfähigAußen RAL 7035w, innen leitfähig
SchutzartIP66IP65IP55
TürabdichtungGeschäumte PU-DichtungEMC-DichtungEMC-Dichtung an Vorder- und Rückseite
MontageartWandmontageWandmontageEMC-Standschrankausführung; mehrere Montageplatten möglich

Edelstahl und EMC erfüllen unterschiedliche Anforderungen

Während das 304L-Gehäuse und die IP66-Ausführung von SSETS auf Umgebungsbeständigkeit und Dichtheit ausgerichtet sind, dienen die leitfähigen Innenflächen und EMC-Dichtungen von ESE und BSE der elektrischen Durchgängigkeit im Hinblick auf die elektromagnetische Verträglichkeit. Beide Anforderungen können in einem Projekt gleichzeitig bestehen; die Eigenschaften einer der in der Tabelle aufgeführten Standardbaureihen dürfen jedoch nicht einer anderen zugeschrieben werden. So besitzt ESE beispielsweise eine pulverbeschichtete Außenfläche und eine leitfähige Innenfläche, während SSETS eine Edelstahloberfläche aufweist. Ebenso sind die Werte IP66, IP65 und IP55 baureihenspezifisch. Fordert die Projektspezifikation sowohl die Eignung für eine korrosive Umgebung als auch elektromagnetische Eigenschaften, müssen die Sonderkonfiguration und die zugehörige Verifizierung gemeinsam mit dem Hersteller gesondert festgelegt werden.

Ergänzende Prüfungen bei der Anordnung im EMC-Schaltschrank

Nach der Auswahl eines EMC-Gehäuses müssen die Kontaktierung der Kabelschirme am Gehäuseeintritt, die Schutzleiteranschlüsse, die Anordnung von Filtern und Leistungskomponenten, die Verlegung empfindlicher Signalleitungen und Leistungskabel sowie die Anschlüsse der an der Tür montierten Geräte in der Projektdokumentation festgelegt werden. Der auf den Produktseiten von ESE und BSE aufgeführte Erdungsleiter gehört ebenfalls zu dieser mechanischen Konfiguration. Nachträglich an Tür oder Verkleidungsteilen ausgeführte Ausschnitte mit lackierten Kontaktflächen, ungeeignete Kabelverschraubungen und lose Verbindungen können die konstruktiv vorgesehene elektrische Durchgängigkeit des Gehäuses beeinträchtigen. Die elektromagnetische Verträglichkeit des endgültigen Systems wird durch das leere Schaltschrankgehäuse allein nicht garantiert; das fertig montierte System muss zusammen mit den eingesetzten Geräten und der Verkabelung gemäß den jeweiligen Projektanforderungen überprüft werden.

Zu dokumentierende Daten für Wartung und Beschaffung

In den Bestellunterlagen müssen Baureihe, vollständiger Produktcode, Werkstoffnorm, Außenabmessungen, Montageplatte, Türtyp, Verschluss, Kabeleinführung, gewünschte IP-Schutzart, Zeichnung für Sonderbearbeitungen und Zubehör angegeben werden. Für SSETS sind der Werkstoff 304L sowie die Auswahl von Montageplatte und Tür, für ESE die Tür mit EMC-Dichtung und die leitfähige Innenfläche und für BSE die Ausführung von Fronttür, Rückwand, Seitenwänden, Dachblech und Sockel eindeutig auszuweisen. In den Wartungsaufzeichnungen sind der Zustand der Dichtflächen, der Schließmechanismus, Korrosion oder Oberflächenschäden, Schutzleiteranschlüsse und nachträglich hinzugefügte Öffnungen zu erfassen. Das Reinigungsverfahren muss auf die Edelstahloberfläche und das Vorgehen bei Eingriffen auf die elektrische Durchgängigkeit der EMC-Oberflächen abgestimmt sein. Aktuelle technische Daten und passende Zubehörcodes müssen vor der Bestellung erneut mit der Dokumentation der jeweiligen Tempa-Baureihe abgeglichen werden.